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  • 2010
  • Mär
  • 20

Modeschmuck - was ist das eigentlich?

Der Versuch einer Definition

Selbst diese Domain hat das Wort Modeschmuck als Bestandteil. Damit sollte klar gemacht werden, dass modische und moderne, meist, aber nicht ausschließlich günstige und vor allem trendige Schmuckstücke zu finden sind.
Ist Modeschmuck mit billig oder wertlos gleichzusetzen?
Das hängt vordergründig von den verwendeten Materialien ab. Aufwändig polierte Strassteine in einer Silberfassung kosten mehr als ein Kunststoffprodukt vom Aufsteller eines Warenhauses. Den Wert bekommt dieser Modeartikel dann vom Käufer zugewiesen: nicht über den Preis, sondern in der Häufigkeit des Tragens und dem damit verbundenen Gefühl.
Dennoch bleibt bei dem einen oder anderen ein Gefühl der Unsicherheit. Der Schmuck ist schlichtweg nicht echt und kann sich damit nicht einmal mit echten Steinen aus der “2.Reihe” messen: Amethyst, Karneol, Jaspis zum Beispiel. Woran liegt es, dass Modeschmuck zwar gekauft, aber mit gemischten Gefühlen getragen wird? Möglicherweise hilft eine kurze historische Betrachtung.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte des (Mode)schmuckes

Sollte man die Gedanken beschreiben, wenn man an Schmuck denkt, so fallen sicher zuerst Goldketten, blitzende Diamanten, vielleicht sogar eine Krone oder Diadem ein. Echter Schmuck ist wertvoll und teuer. Bis vor ca. 100-150 Jahren war der Erwerb von Schmuck nur der Oberschicht möglich. Selbst wenn es der breiten Bevölkerung finanziell möglich gewesen wäre, Schmuck zu kaufen, so regelten Kleiderordnungen für die Stände seit dem Mittelalter genau, wer welchen Schmuck und welche Kleidung tragen durfte - inklusive der Materialien und Farben. Der Status jedes einzelnen Menschen war sofort an seinem Äußeren ablesbar. Wertvollen Schmuck wie Diamantringe tragen wollen hieß sozial aufsteigen müssen.
Erst mit dem Beginn der Industrialisierung, der Bildung der Arbeiterklasse und den daraus folgenden gesellschaftlich-sozialen Umbrüchen entstand ein Markt für Schmuck, der sich in seinem Erscheinungsbild am Stil und der Mode der damaligen Zeit orientierte (Jugendstil zum Beispiel). Die untere Mittelschicht strebte empor, Massenfertigung von messinggefasstem Glas mit Facettenschliff begann. Ein neuer Industriezweig nahm seinen Aufschwung: Herstellung von Modeschmuck.

Modeschmuck war also sprichwörtlich in die Mode gekommen und durch industrielle Massenfertigung für breite Käufergruppen erschwinglich geworden. Böhmen war um die vorige Jahrhundertwende Zentrum der Schmuckproduktion, Juweliere wie Frederic Stras (nach dem die Strass-Steine benannt sind) und Unternehmer wie Daniel Swarovski (Swarowski-Kristall) machten aus Glas durch besondere Herstellung und Schliff funkelnde Schmuckstücke. Später dann, in den 1920er-Jahren, wurde Kunststoff im Zuge der Bauhaus-Bewegung als Schmuck verarbeitet.

Modeschmuck ist also eine Erscheinung, die etwas mehr als 100 Jahre alt ist. Zuerst als Imitat für echte Steine angewandt, nahm er seinen Weg über metallgefasstes, geschliffenes Glas und Kunststoffverwendung hin zu Accessoires der Modemacher, die eigene Schmuck-Kollektionen entwerfen und somit den Modeschmuck zu einem integralen Bestandteil ihrer schöpferischen Ideen machen und: salonfähig. Dolce&Gabbana sei hier stellvertretend genannt. Damit unterstreicht man heute seinen ganz persönlichen Style - und Status. Modeschmuck ist längst nicht mehr nur ein billiges Umhängsel: als Designobjekt zeigt es den persönlichen Geschmack und ist begehrtes Sammlerstück in limitierter Auflage.